Vom Job zur Berufung: Wenn der Job nicht nicht mehr Sinn ergibt – was dann?

Neulich in einer Supervision mit einem Verwaltungsteam:


Eine Kollegin sagt leise, fast tonlos – und doch schwer wie Blei:  „Ich weiß gar nicht mehr, wofür ich das hier alles mache.“ Kein Vorwurf. Kein Drama. Eher eine leise Resignation. Enttäuschung, vielleicht auch Müdigkeit.


Der Satz hängt im Raum – und bleibt nicht ungehört. Mehrere Kolleg:innen nicken. Langsam, still. Als hätten sie das längst selbst gedacht – nur nie ausgesprochen.

Es sind nicht immer die Lauten, die kündigen. Und nicht immer sieht man es den Menschen an, wenn sie innerlich schon gekündigt haben. Doch wenn die Frage nach dem "Wofür" aufkommt, ist das nie banal.


Es ist ein Warnsignal – und vielleicht die letzte Gelegenheit für Führungskräfte, gegenzusteuern.

Arbeit muss mehr sein als soziale Sicherheit

In meiner Beratung erlebe ich es immer wieder: Menschen, die zuverlässig und kompetent arbeiten – und sich dabei innerlich leer fühlen. Sie funktionieren, erfüllen Erwartungen. Aber sie spüren: Da fehlt etwas, da geht mehr!  Oft ist das der Moment, in dem der Wunsch wächst, mehr zu wollen. Mehr als Routinen und Abläufe. Mehr als „läuft halt seit Jahren so“.
Sie wollen wieder spüren, warum sie morgens aufstehen.


Und nein – das ist kein Luxusproblem. Es ist Ausdruck eines grundlegenden Wandels im Verständnis von Arbeit.


Der Wunsch nach Sinn ist keine Modeerscheinung

Ich höre oft: „Früher hat auch keiner gefragt, ob die Arbeit Spaß macht – da wurde halt gemacht.“  Mag sein. Früher, als ich noch „jung“ war, hat man auch im Büro geraucht und Mails ausgedruckt. Die Welt hat sich verändert – und mit ihr das Verständnis von Arbeit.


Heute wünschen sich viele, im Job nicht nur zu funktionieren, sondern sie selbst sein zu dürfen. Sie suchen nicht nur fachliche Passung, sondern auch menschliche. Ein Umfeld mit Haltung, Offenheit und Entwicklungsspielraum. Einen Ort, an dem nicht nur Leistung zählt – sondern auch Sinn.


"Wenn ich das, was mir wichtig ist, hier nicht finde – dann bleibt nur die Kündigung." Ist das tatsächlich so? Sollten wir hier nicht ansetzen?


Um es noch einmal zusammenzufassen: Bevor jemand wirklich geht, beginnt oft ein leiser, innerlicher Abschied.

Zum Beispiel dann:

  • wenn Projekte, die früher sinnvoll erschienen, plötzlich leer wirken
  • wenn bestimmte Aufgaben Kraft geben – und andere nur noch Energie rauben
  • oder wenn man merkt, dass Entscheidungen getroffen werden, die dem eigenen Bauchgefühl widersprechen


Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind Signale. Meine Hebel, die den Sinn fördern:

In diesen Momenten begleite ich Teams und Führungskräfte dabei, genauer hinzusehen:

  • Was treibt mich wirklich an?
  • Was fühlt sich noch stimmig an – und was kostet inzwischen mehr, als es gibt?
  • Wo passe ich mich an, weil es sinnvoll ist – und wo fange ich an, mich selbst zu verbiegen?


Diese Klarheit ist oft der erste Schritt. Nicht zur Kündigung – sondern zu ehrlicheren, stimmigeren Entscheidungen.


Was Sie jetzt wirklich brauchen

In meiner Arbeit mit Führungskräften höre ich oft Sätze wie:
„Ich merke, da verändert sich was – aber ich weiß nicht, wie ich das auffangen soll.“

Was ich dann immer wieder betone:

  1. Werte sind keine Wohlfühlthemen, sondern ein echter Wettbewerbsfaktor.
  2. Sinn lässt sich nicht verordnen – aber ermöglichen.
  3. Berufung beginnt im Kleinen: in Gesprächen, im Vertrauen, in der Möglichkeit mitzugestalten.


Meine fünf Hebel, wie Sie als Führungskraft Sinn fördern können

Auch wenn sich Aufgaben nicht verändern lassen – der Rahmen, in dem sie erlebt werden, schon.
Hier einige konkrete Ansätze aus meiner Praxis:


  1. Bedeutung sichtbar machen
  • Zeigen Sie, wofür die Arbeit Ihrer Mitarbeitenden wichtig ist – im Gesamtzusammenhang.
  • „Was wir hier tun, sorgt dafür, dass andere ihre Arbeit gut machen können – das ist kein kleiner Beitrag.“

2. Anerkennung aussprechen

  • Nicht nur dass jemand gute Arbeit leistet, sondern warum das für andere zählt. „Ohne Ihren klaren Blick bei den Zahlen könnten wir nie so sicher entscheiden – danke dafür.“

3. Mitgestaltung ermöglichen

  • Fragen Sie gezielt: „Was könnten wir tun, damit sich diese Arbeit sinnvoller anfühlt?“
  • Auch kleine Freiräume können große Wirkung haben.

4. Werte ins Gespräch bringen

  • Sinn entsteht, wenn persönliche Werte Raum bekommen.
  • „Was an Ihrer Arbeit ist Ihnen besonders wichtig?“
    „Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden?“

5. Teamidentität stärken

  • Menschen erleben mehr Sinn, wenn sie Teil eines echten "Wir" sind.
  • Kleine Rituale, gemeinsame Rückblicke oder Team-Erfolge machen den Unterschied.


Fazit: Berufung bedeutet, das eigene Tun mit Sinn zu füllen – immer wieder neu.

Ich habe viele Menschen begleitet, die innerlich längst gekündigt hatten – leise, fast unbemerkt. Doch mit dem richtigen Impuls, ehrlicher Reflexion und etwas Mut fanden sie Schritt für Schritt zurück zu Klarheit und Motivation.



Und ich habe erlebt, wie Organisationen daran wachsen, wenn sie solche Prozesse nicht als Störung, sondern als Entwicklungschance begreifen.

Wer als Führungskraft diesen Raum öffnet, gewinnt nicht nur engagiertere Mitarbeitende – sondern auch mehr Leichtigkeit in der eigenen Rolle. Denn motivierte Teams brauchen weniger Kontrolle und geben mehr zurück, als man ihnen abverlangen kann.


Ja, das braucht Zeit. Und die Bereitschaft, hinzuschauen – auch auf das, was unbequem ist.
Aber es lohnt sich. Für den Einzelnen. Für die Führung. Für das ganze System.


Möchten Sie wissen, wie dieser Weg in Ihrem Team aussehen könnte?

Ich lade Sie herzlich zu einem unverbindlichen Impuls-Gespräch ein.


Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie Sie
Sinn, Motivation und Bindung in Ihrer Organisation gezielt stärken können – mit klarem Blick und viel Praxisnähe.